Supply Chain Strategie: Entwicklung, Umsetzung und Ausblick


Die Supply Chain Strategie gibt die zentrale Verhaltensweise eines Unternehmens oder einer Geschäftseinheit entlang der Wertschöpfungskette vor. Erfolgreiche Supply Chain Strategien erlauben es Wettbewerbsvorteile kontinuierlich zu beurteilen und die Supply Chain mit gezielter Ausrichtung dahingehend zu optimieren. Eine optimale Supply Chain trägt entscheidend zum Unternehmenserfolg bei, indem sie die Wirtschaftlichkeit und Kundenzufriedenheit von der Erstellung der Produkte und Leistungen bis hin zur Bereitstellung gewährleistet. Vor dem Hintergrund der Wettbewerbssituation, der Markt- und Produktentwicklung sowie der Beschaffungs- und Absatzmärkte beantwortet die Supply Chain Strategie Fragestellungen wie:

  • Was ist die richtige Fertigungstiefe und Produktionsphilosophie
  • Wo sind die optimalen Produktionsstandorte und -prozesse
  • Wie sollte das Logistik Netzwerk gestaltet sein
  • Wie und in welchem Maße werden Lieferanten und Partner in die Supply Chain integriert

 

Abbildung 1: Supply Chain Strategie in 5 Schritten
Abbildung 1: Supply Chain Strategie in 5 Schritten

 

Im Folgenden beschreiben wir die Entwicklung und Implementierung einer Supply Chain Strategie, die Anknüpfungspunkte zu den anderen Ebenen des Supply Chain Managements und geben einen Ausblick auf Mehrwerte und künftige Herausforderungen.

 

Einordnung der Supply Chain Strategie in die Unternehmensstrategie


Meist ausgehend von einer strategischen Analyse des Unternehmens formuliert die Unternehmensleitung in der strategischen Planung Unternehmensziele, um so die Ausrichtung und Orientierung des Unternehmens vorzugeben und Erfolg sicherzustellen.

Die formulierten strategischen Ziele bilden die Basis für die Phase der Strategieentwicklung. In dieser Phase wird eine Strategie zur Erreichung der vorgegebenen Ziele entwickelt, bewertet und festlegt.

Die Strategieentwicklung findet auf 3 hierarchischen Ebenen statt: Unternehmensstrategie, Geschäftsbereichsstrategie und funktionaler Strategie. So steht eine jeweils untergeordnete Strategieebene zwar in Abhängigkeit zu der überliegenden Ebene, jedoch gestaltet sie diese gleichzeitig durch die von ihr zu entwickelnde Strategie für ihren Einflussbereich mit.

Der Supply Chain Strategie als eine der zentralen funktionalen Strategien kommt hierbei die Rolle zu Wettbewerbsvorteile in Ihrem Wirkungsbereich zu generieren. Dabei steht sie in Abstimmung mit den angrenzenden funktionalen Bereichen, wie zum Beispiel der Produkt- oder Marktstrategie, um zum optimalen übergeordneten Ergebnis des Geschäftsfelds beizutragen.

 

Kriterien zur Leistungsbeurteilung und Leistungsziele der Supply Chain Strategie


Um die optimale Supply Chain Strategie zu entwickeln, gilt es zunächst Supply Chain Zielkriterien zu identifizieren und anschließend festzulegen.

1) Zur Identifikation möglicher Leistungskriterien kann man sich an den 2 wesentlichen Dimensionen des Wertbeitrags einer Supply Chain orientieren:

  • Kosten: Möglichst wirtschaftliche Herstellung und Bereitstellung von Produkten und Dienstleistungen beim Kunden
  • Kundenzufriedenheit: Die Sicherstellung von Kundenzufriedenheit durch Zeitpunkt und Dauer von Lieferung und Leistung sowie der im Zusammenhang erbrachten Qualität

Hieraus lassen sich 3 Gruppen von Leistungskriterien ableiten. Die Kriterien bedingen einander zum Teil, weshalb Zielkonflikte zwischen den Kriterien entstehen können. Beispielsweise ist der Transport per Seefracht in den meisten Fällen kostengünstigster, hat aber eine deutliche Verlängerung der Lieferzeit zur Folge. Eine schnelle Verfügbarkeit kann hingegen hohe Lagerhaltungskosten durch Vorräte bedeuten.

 

Abbildung 2: Supply Chain Strategie Schritt 1: Identifikation von Leistungskriterien
Abbildung 2: Supply Chain Strategie Schritt 1: Identifikation von Leistungskriterien

 

Die Kriterien können sich nach Branche, Produktfamilie, Marktsegment, Vertriebskanal oder Kundengruppe unterscheiden. Ein gemeinsamer Workshop mit den verschiedenen operativen Abteilungen entlang der Supply Chain eignet sich, um eine umfassende Liste an Kriterien zu erfassen. Auch ein Vergleich mit anderen bekannten Supply Chains, wie die eines Wettbewerbers, kann weitere, aus der eigenen Gewohnheit heraus übersehene, Kriterien zu Tage fördern. 

2) Im nächsten Schritt gilt es die wichtigsten zukünftigen Anforderungen für die Supply Chain zu erkennen, zu bewerten und in die festgelegten Supply Chain Zielkriterien einfließen zu lassen.

Durch eine strategische Analyse der Wertschöpfungsquellen entlang der individuellen Supply Chain und des gesamten Wertangebots für die Kunden, können die Supply Chain Kriterien gewichtet und somit für die weitere Entwicklung der Supply Chain Strategie berücksichtigt werden.

So sind bei Luxusgütern die Ansprüche an Qualität und Kundenservice deutlich schwerwiegender zu gewichten als die Kosten und oftmals die Liefergeschwindigkeit. Im Gegensatz hierzu sind bei vielen Commodity-Produkten Kosten und Verfügbarkeit die entscheidenden Kriterien.

Die für die Entwicklung einer Supply Chain Strategie maßgeblichen Kriterien festzulegen erfordert einer tiefgreifenden Kunden-, Markt- und Supply Chain Kenntnis. Darüber hinaus ist der gewichtigste Aspekt jedoch die Einordnung neben den anderen funktionalen Bereichen und die Beurteilung der gesamtheitlichen Wertschöpfung für den Kunden.

Diese Analysen und Bewertungen als Basis, legt das Management quantitative Leistungsziele für jedes Kriterium und somit die Orientierungsgrößen für die Ausarbeitung der Supply Chain Strategie fest. Ein typisches Leistungsziel ist die Festlegung von Servicelevel hinsichtlich Verfügbarkeiten und Lieferzeiten oder auch die Festlegung von TCO Produktkostenzielen.

Benchmarking von Wettbewerbern sowie Kundenumfragen sind probate Mittel, um bei der Festlegung der Ziele zu unterstützen und auch die gewünschte Kundenwirkung zu bewerten. Die festgelegten Kriterien sind im nächsten Schritt Ausgangspunkt für die Formulierung strategischer Entscheidungen wie beispielsweise zur Fertigungstiefe, Standortwahl, Produktionsprozessen, Beschaffung und Distribution.

 

Strategie Formulierung Teil 1: Produktionsstrategie und Prozessabläufe


Mit Vorgabe der Supply Chain Leistungsziele gilt es im nächsten Schritt Optionen für die Produktion und Prozessabläufe der Supply Chain zu formulieren, diese zu bewerten und anschließend festzulegen.

 

Abbildung 3 Supply Chain Strategie Schritt 2: Produktionsstrategie & Prozessabläufe
Abbildung 3 Supply Chain Strategie Schritt 2: Produktionsstrategie & Prozessabläufe

 

In der Erarbeitung einer Supply Chain Strategie ist zu unterscheiden, ob die Supply Chain auf „grüner Wiese“ neu entwickelt oder auf einer bestehenden Supply Chain aufgebaut werden soll. Je nachdem, ob grundlegende Optionen der Supply Chain angefasst werden, so sind tiefgreifende, weitreichende Entscheidungen zuerst zu treffen.

Zunächst sind daher folgende Produktions-Entscheidungen, immer im Hinblick auf die eigenen Kernkompetenzen und den Wertschöpfungsbeitrag, zu treffen:

  • Zentrale oder dezentrale Standorte in Produktion, Lagerung und Distribution
  • Fertigungstiefe und vertikale Integration
  • Festlegung der Fertigungs- und Supply Chain Philosophie und Ausrichtung (Push, Pull, Lean Management, Kaban, Six Sigma etc.)

Unter diesen Voraussetzungen werden im Anschluss Prozessoptionen in den Bereichen Produktion, Auftragsabwicklung, Lager, Logistiknetzwerke und Beschaffung entwickelt. Die Optionen werden hinsichtlich der im Schritt 2 gesetzten Zielkriterien bewertet und ausgewählt. An dieser Stelle wird auch die Make-or-Buy Entscheidung für Teile der Supply Chain Leistungen bewertet.

Produktionsstrategie und Prozessabläufe zählen zu den tiefgreifenden und oft kapitalintensiven Entscheidungen. Die heutigen Anforderungen, die raschen Veränderungen und zunehmender Wettbewerb auf dem Gebiet der Wertschöpfungsketten fordern zunehmend eine hohe Flexibilität und Spezialisierung, weshalb neben Fragen von Outsourcing oder Fremdvergabe auch die Integration von Lieferanten und Kunden in die Supply Chain immer wichtiger werden, um Wettbewerbsvorteile zu sichern.

 

Strategie Formulierung Teil 2:  Integrationsgrad – Kunden, Lieferanten, Systeme


Im letzten Schritt der Formulierung der Supply Chain Strategie wird der Integrationsgrad zu Kunden und Lieferanten festgelegt. Entscheidende Faktoren hinsichtlich der Lieferantenintegration sind nicht vorhandene Kompetenzen, Synergieeffekte auf Seiten der Lieferanten, Flexibilität oder erhöhte Kapitalbindung. Lieferantenseitige Integrationen finden sich beispielsweise oftmals im Retail oder Versandhandel wo häufig hochspezialisierte 3PL Dienstleister die Lager, Versand und Logistikdienstleistung übernehmen.

 

Abbildung 4: Supply Chain Strategie Schritt 3: Integration von Lieferanten und Kunden
Abbildung 4: Supply Chain Strategie Schritt 3: Integration von Lieferanten und Kunden

 

Kundenseitige Integrationen finden sich häufig in der Chemie oder Pharmabranche, wo Hersteller kleine Produktions- oder Laboranalyseanlagen oftmals direkt beim Kunden installieren, um über Reaktionszeiten Wettbewerbsvorteile zu realisieren.

Bei der Integration von Lieferanten und Kunden in die Supply Chain gilt es Risiken durch Abhängigkeiten, den Verlust von Intellectual Capital sowie Kontroll- und Qualitätsverluste zu berücksichtigen und zu überwachen.

Um Risiken zu managen und die Supply Chain effizient hinsichtlich der Zielerreichung zu steuern und gegebenenfalls anzupassen, digitalisieren viele Unternehmen die gesamte Supply Chain. Integrierte ERP Systeme sowie Transportmanagementsysteme erlauben es die Supply Chain und ihre Ressourcen kosteneffizient zu managen und den Kundenservice zu erhöhen. Um richtige Entscheidungen, schnell treffen zu können, empfehlen sich aussagekräftig aufbereitete dynamische Dashboards mit aktuellen Daten. (Ein exemplarisches Dashboard zum Kostenmanagement erhalten Sie hier)

Über die gesamtheitlichen Steuerinstrumente hinaus, gibt es in der heutigen digitalen Welt vielfache Möglichkeiten die Ressourcen entlang der Supply Chain Prozesse besser zu nutzen: Routenoptimierungssoftware, Dispositionssoftware, Software zur Ressourcenallokation in Beschaffung und Transport, Produktionsplanungs- und -Steuerungssoftware, Track & Trace Lösungen etc. Das Angebot ist sehr breit und vielfältig, weshalb der Auswahl einer für Sie und Ihre Ziele individuell passenden Software Lösung sowie einer schnellen funktionierenden Implementierung erfolgskritisch sind. (Erfahren Sie mehr über unser Logistik Modul Digitales Logistik Management & Reporting)

Neben den strategischen Entscheidungen zur Integration von Lieferanten und Kunden in die eigene Supply Chain nimmt die Systemintegration eine immer wichtiger werdende Bedeutung im Kampf um Wettbewerbsvorteile und somit der Supply Chain Strategie ein.

 

Implementierung der Supply Chain Strategie


Die formulierte Supply Chain Strategie bleibt an sich wirkungslos, wenn sie nicht effektiv umgesetzt wird. Hierzu müssen konkrete Handlungsaktionen zu den Vorgaben der Strategie eingeleitet werden. Um diesen Prozess möglichst effizient zu gestalten, sind die abgeleiteten Maßnahmen und Aktionen in einem Plan in eine sinnvolle Abfolge zu bringen. Geeignete Ressourcen, Verantwortungen und Transformations-Prozesse sind hierfür ebenso erfolgskritisch wie geeignete Mess- und Steuerungssysteme, mit denen der Fortschritt und die Wirksamkeit der Maßnahmen hinsichtlich der Zielerreichung der strategischen Zielkriterien gemessen und gesteuert werden kann.

Eine erfolgreiche Implementierung zeichnet sich vielfach durch eine richtige Priorisierung der Themen und geeignete Ressourcenbesetzung aus. Die betroffenen Bereiche durch die Supply Chain Strategie sind in ihren Anforderungen, den Kenntnissen und Herausforderungen sehr unterschiedlich und damit für sich eigenständige Fachgebiete. Deshalb sind für eine erfolgreiche Implementierung stets Experten für den jeweiligen Teilbereich mit einzubeziehen.

Es bedarf stets dem Zusammenspiel von strategischen mit operativen Supply Chain Management Ressourcen, geeigneter Projektfähigkeiten sowie inhaltlicher Expertise. Von IT-System Integrationen, zur Neuausrichtung der weltweiten Supply Chain Netzwerks oder in die Produktions- und Warenlagerabläufe eingreifende Themen mit unterschiedlicher Zielausrichtung ist die Bandbreite an erforderter Erfahrung und Fähigkeit enorm. Fachliche Expertise, individuell passende Lösungen sowie eine nachhaltige Implementierung und Change-Management sind die Schlüssel zum Erfolg.



Ausblick und Empfehlung


In der heutigen Zeit werden Unternehmen Marktanteile verlieren, wenn sie die Bedeutung einer wettbewerbsorientierten Supply Chain Strategie zu spät erkennen. Durch Innovationen und erforderte Flexibilität, um mit den ständig neu entstehenden Chancen und Risiken der normalen Geschäftstätigkeit umzugehen, ergeben sich neue Möglichkeiten der Supply Chain Gestaltung. Dies bedeutet Chance für die einen und das Risiko schwerwiegend an Boden gegenüber der Konkurrenz einzubüßen für die anderen. Ein zuletzt häufiger Trend geht dahin durch Integration von spezialisierten Partnern und digitale Prozesse die Kosten- und Prozesseffizienz sowie gleichzeitig die Flexibilität zu erhöhen. Bei allen Vorteilen dürfen, die sich hieraus ergebenen, Risiken jedoch nicht außer Acht gelassen werden. Ungeeignete IT-Systeme, Lieferantenvereinbarungen, Beschaffungs-, Produktions- oder Lagerstrategien können ohne transparentes Risikomanagement und die richtige Ausgestaltung den Wertbeitrag der Supply Chain sogar mindern statt verbessern.

Über diese Entwicklungen hinaus stehen wir, mit unserer bereits sehr globalisierten und vernetzten Welt, gerade am Anfang mit den Einflüssen und Auswirkungen des Klimawandels und Klimaschutzes konfrontiert zu werden. In Zukunft werden Supply Chains die Frage der Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit anders beantworten müssen, um sich am Markt weiterhin behaupten zu können.

Zusammenfassend sei gesagt, dass erfolgreiche Unternehmen der Zukunft ihre Supply Chains als Antwort auf neue Möglichkeiten und Bedrohungen ihrer Wettbewerbsposition weiterhin ständig anpassen und neu konfigurieren müssen.

OCM bietet umfassende Unterstützung bei Gestaltung Ihrer maßgeschneiderten Supply Chain Strategie sowie deren Umsetzung über unser umfassendes Produktangebot Supply Chain & Logistik.

Wir verbinden unsere bewährte Vorgehensweise zur Entwicklung einer Supply Chain Strategie mit den Bereichen der Supply Chain Operations und Digitalisierung. Gerne stellen wir Ihnen unsere Ansätze und Module hierzu vor oder diskutieren anhand Ihrer Herausforderungen konkrete Lösungsansätze.

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Florian Dederichs

Florian Dederichs

Gründer & Partner

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Module Logistik Optimierung & Supply Chain Consulting

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